Ganzheitliches Konzept aus der Antike

Bereits seit der griechischen Antike war die heilende Wirkung der Musik und die gezielte Anwendung verschiedener Tonarten bestens bekannt.

So wurde Musik als Teil des ganzheitlichen Behandlungskonzepts auch in den antiken Heilstätten des Gottes Asklepios eingesetzt. Nach rituellen Handlungen und dem Durchschreiten einer Reihe von verschiedenen Heilbringenden Interventionen nahmen die Patienten am Ende der Behandlungen den Heilschlaf vor. Dieses ganzheitliche Konzept war in seiner Zeit sehr erfolgreich und wurde speziell bei psychosomatischen Erkrankungen eingesetzt.

Heilzeremonien aus Zentralasien

Im alten Wissen der Völker Zentralasiens war die Heilspendende Wirkung von Musik immer verankert und wurde achtsam gelebt. Aus der vorislamischen Zeit Zentralasiens sind die gesundheitsfördernde Wirkung von Heilzeremonien und Tänzen bekannt, die teilweise noch immer ausgeübt werden. In diesen Heilzeremonien der Schamanen wurden die Klänge der Kilkopuz (Streichinstrument) ebenso wirkungsvoll eingesetzt wie der Gesang und die Rhythmen der Trommel. Mit einfachen Bewegungen, die stark den Bewegungen in der Natur nachempfunden sind, begibt sich der Heiler oder Bakse Schamane ohne Einnahme von Drogen in Trancezustand, um darin die Geister um Heilung für den Patienten zu bitten. Diese Heiltänze finden auch heute in veränderter Form Anwendung in Therapiesitzungen.

Alte Hochkultur in Zentralasien

Vor etwa 1.000 Jahren entwickelte sich im ehemaligen Gebiet von Chorazan, etwa der Region des heutigen Tashkent bis Balkh entsprechend, eine bedeutende Hochkultur. Durch rege Handelsbeziehungen und die Ausbreitung des Islam im gesamten asiatischen Raum wurde das vorhandene traditionelle medizinische und therapeutische Heilwissen in Chorazan vereint und praktiziert.

Durch die Übersetzung antiker griechischer und ägyptischer Schriften in die arabische Sprache ist das ganzheitliche Behandlungskonzept, das mittels harmonischer Lebensweise Krankheiten vorbeugt, in den zentral-asiatischen Kulturraum übergekommen und breitete sich in der Zeit des Mittelalters auch nach Europa aus.

Der von Ibn Sina (in Europa Avicenna genannt) verfasste Kanon der Medizin, war Arzt, Philosoph und Mathematiker. Sein Medizinisches Werk diente der Europäischen Medizin seit dieser Zeit bis spät in das europäische Mittelalter als ein sehr wichtiger Bestandteil des gesamten Heilwesens.

Musik als Therapie in Spitälern

Verschiedene Heilkundige, die der alten Tradition folgten, beschrieben ausführlich die Wirkung der Musik, die etwa 400 Tonarten umfasst, auf die unterschiedlichen Patienten und die entsprechende Veränderung der Befindlichkeit durch den musikalischen Einsatz.

Erste Berichte über den erfolgreichen Einsatz von Musik als therapeutisches Mittel sind aus Spitälern in Bagdad, Kairo und Damaskus seit dem frühen 12. und 13. Jahrhundert schriftlich belegt. Darin wird auch die Bedeutung von Musik als positiver Impuls auf die seelische und geistige Verfassung der Patienten Ausdruck verliehen.

Später kamen im gesamten Orientalischen Kulturraum weitere Spitäler hinzu, in denen Kranke auch mittels heilender Klänge erfolgreich behandelt wurden. Das Konzept des Riyazed, ein ganzheitlicher alle Sinne des Menschen umfassender Therapieansatz, erhält einen wichtigen Platz innerhalb des hoch entwickelten Heilsystems, das mittels positiver Impulse auf alle Sinnesorgane des Menschen zur Heilwerdung verhilft. Bedingt durch das Vordringen westlicher Heilmethoden in den orientalischen Raum, geriet das alte Heilwissen vor etwa 200 Jahre mehr und mehr in Vergessenheit.

Wiederbelebung der alten Tradition

In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann der Psychologe und Musiker Dr. Rahmi Oruç Güvenç an der Universität in Istanbul das in Archiven aufbewahrte Wissen zu studieren. Da er selbst ein hervorragender Musiker ist, begann er, die Musiktherapie auch selbst auf originalgetreuen Instrumenten zu praktizieren. Dabei zeigte sich, dass die Wirkung der Musik auch heute therapeutisch einsetzbar und transkulturell anwendbar ist.

Heute wird die Altorientalische Musiktherapie in verschiedenen Ausbildungsmodellen von Dr. Güvenç und seinem AssistentInnenteam in ganz Europa gelehrt. (www.tumata.com)